Thomas Löffler

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Ein blinder als Autor20. August

Da bin ich wieder! Sie haben recht, wenn Sie meinen, dass ich ein schlechter, besser gesagt, ein seltener Blogger bin. Die Zeit ist bei mir, selbst als Arbeitssuchender knapp. Wenn ich mal etwas länger Zeit habe, das ist meistens spät Abend oder gar in der Nacht, sitze ich vor meinem Krimi, der nun endlich mal zum Ende kommen sollte. Meine Lektorin wird schon langsam den Glauben an mich verlieren.

Da sind wir eigentlich schon fast beim Thema. Wie komme ich als blinder zum schreiben. Nicht nur, dass ich schreibe, sondern diese Werke auch veröffentlicht habe. Ein Buch ist sogar für blinde in den Blindenhörbüchereien zur Ausleihe produziert worden und ein weiteres ist für die Produktion in Planung. Das erfüllt mich natürlich mit Stolz und macht mir Mut, allen Komplexen widerstehend, am Schreiben dran zu bleiben. Immerhin sitze ich an meinem fünften Buch und möchte auch das veröffentlichen. Landläufig ist man der Meinung, dass es wenige blinde Autoren gibt. Zum Teil geht es dabei um technische Fragen. Wie schreiben wir überhaupt? Sicher, wir beherrschen die Punktschrift, welcher Lektor oder erst recht welcher Verlag kann was damit anfangen? Weit gefehlt! SpezialHard- und Software macht es heute für blinde möglich, wie in meinem Fall, ein Manuskript in Normalschrift den Lektor oder Verlag zu geben. Ich habe die Erfahrung bei einem früheren Verlag gemacht, dass ich, damals ein werdender Autor und dazu noch blind, als Zugpferd dienen sollte. Mein jetziger Verlag, der schon Erfahrung mit Sehbehinderten Autoren hat, sieht mich als einem seiner vielen Autoren. Ich weiß nicht, wie andere Autoren schreiben. In der Regel halte ich wenig von Erfahrungsaustauschen. Dafür ist meine Sorge verrissen zu werden, viel zu groß. Dies überlasse ich lieber meiner Gegenleserin und meiner Lektorin. Beiden vertraue ich vollständig. Von einigen Sehenden weiß ich, dass sehr viel mit Notizen gearbeitet wird. Unterwegs müssen Rückseiten von Zigaretten- und Streichholzschachteln als Schmierzetteln herhalten. Ich überlege oft, ob ich stattdessen ein Diktiergerät mitnehme. Das scheitert schon an meiner Schussligkeit. Das Gerät liegt irgendwo, aber nie auf meinem Schreibtisch oder Hosentasche. Auf meinen Kopf verlasse ich mich liber. Den kann ich nicht verlegen und habe ihn auch unterwegs bei mir. Zum größten Teil arbeite ich mit inneren Bildern. Das macht mein schreiben für andere so interessant. Meine Fantasie ist höchst intensiv und auch vielseitig. Einfälle kommen mir an anderen Orten, aber selten am Schreibtisch. Hier wird geschrieben. Allerdings ohne Planung. Ich schreibe, als würde ich den Text schon lesen. Die Überarbeitung kommt später. Allerdings mußte ich mir angewöhnen, in einer Exceltabelle die Figuren einzutragen. Nicht nur die Namen, sondern auch Eigenschaften, Körperliche Eigenheiten, Berufe usw.

Wir lesen uns später wieder.

Bis dann. Ihr Thomas Löffler

20.8.16 12:13

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