Thomas Löffler

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"Ich habe beim schreiben geweint" - Artikel aus der Harzzeit Frühjahr 2015

Folgenden Zeitungsartikel aus der Harzzeit darf ich mit freundlicher Genehmigung von

Dana Toschner
Dipl. Journalistin

℅ IDEENGUT OHG
Redaktion
Domplatz 48 | 38820 Halberstadt

blogen.


Thomas Löffler war fünf Jahre alt, als seine Eltern ihn mit ihrem Trabant zum Internat fuhren. Beim Abschied stand er mit Tränen in den Augen vor der Blindenanstalt. Hier sollte er 16 Jahre seines Lebens verbringen. Qualvolle Jahre, die ihn geprägt und bis heute nicht losgelassen haben. Der Neinstedter Hobbyautor hat sich sein Leid nun von der Seele geschrieben.
Thomas Löffler trägt in einer Hand einen Karton voller Bücher, mit der anderen tastet er nach dem Wohnzimmertisch. Dass sein Name auf den Titelseiten der Bücher steht, weiß er. Aber er wird ihn niemals lesen können. Thomas Löffler ist als Kleinkind erblindet. „Ich habe das Crouzon-Syndrom, eine seltene Erbkrankheit“, erzählt er. „Mein Schädel ist zu klein. Das Gehirn drückte immer mehr auf den Sehnerv, bis der schließlich gar nicht mehr durchblutet wurde.“
Der 53-Jährige nimmt in seiner Umgebung nur Schatten war, sieht allenfalls vage Umrisse. „Ob es sich dabei um einen Bus oder ein Häuschen handelt, weiß ich allerdings nicht“, beschreibt er. Dass er trotz seines Handicaps vier eigene Bücher geschrieben und veröffentlicht hat, traute er sich bisher kaum jemandem zu erzählen. „Das wissen nur ganz wenige Menschen. Ich hatte einfach nicht den Mut und das Selbstbewusstsein, es zu erzählen“, sagt er. „Ich dachte, meine Bekannten stempeln mich als Spinner ab. Mir traut doch niemand zu, dass ich ein Buch schreiben kann.“ Doch er kann. Und wie er kann. Im Karton auf seinem Wohnzimmertisch liegen die Beweise: Ein Kinderbuch, eine Jugendbuch und zwei Romane für Erwachsene. Während Wendy, seine Hündin, auf ihrer Matte liegt und schnarcht, zeigt Thomas Löffler, wie er arbeitet. Seine Finger liegen auf einer ganz normalen Laptop-Tastatur, er beherrscht das Zehn-Finger-System. Dank eines speziellen Programms liest der Computer die geschriebenen Sätze vor, außerdem kann er sie auf einem angeschlossenen Gerät in Braille zeilenweise mit den Fingern „erlesen“. Er surft im Internet und hat sich selbst eine Homepage gebaut, auf der er seine Bücher vorstellt. Am nächsten dürfte dem Leser der Roman „Heimatlos“ gehen, denn in ihm verarbeitet Thomas Löffler seine eigene Geschichte. Der fünfjährige blinde Junge Uwe wird von seinen Eltern ins Internat gebracht. In der Blindenanstalt muss er bleiben, bis er erwachsen ist. Doch die Schulzeit dort wird für den Jungen zur Tortur. Er wird in der Klasse gemobbt und immer mehr zum Einzelgänger. Einige Schüler, die nach außen mustergültig wirken, erweisen sich als ausgesprochen brutal und grausam. Einer der Klassenkameraden gießt Uwe Benzin über die Hand und zündet es an. Seinen Eltern erzählt er beim nächsten Ferien-Besuch, ein Schlitten sei über seine Hand gefahren. „Ich wurde viel verdroschen und habe mich nie getraut, mich zu wehren“, erzählt Thomas Löffler. Kurz nach der Wende hat er sich hingesetzt und die Erinnerungen an seine Schulzeit aufgeschrieben. „Es hat mir geholfen, alles abzuschließen.“ Immer wieder hat er die Dateien von einem Computer auf den nächsten überspielt, auf Datenträgern gesichert. Bis ein Freund zu ihm sagte: „Das musst du als Buch veröffentlichen.“ Thomas Löffler zögerte noch eine ganze Weile. Dann strickte er um seine Erinnerungen einen Roman und machte sich auf die Suche nach einem kleinen Verlag, dem er sein Manuskript schicken durfte. Die schonungslos aufgeschriebene Geschichte lässt den Leser manches Mal schlucken. „An manchen Stellen habe ich beim Schreiben selber geweint. Meine Mutter hat das Buch nicht zu Ende lesen können. Es war ihr zu grausam“, sagt Thomas Löffler. Wenn er heute zurückdenkt, kommt ihm das Ende der Internatszeit wie der Beginn eines neues Lebens vor. Damals ist eine schwere Last von ihm abgefallen. Er zog nach Neinstedt, wo seine Eltern und die Geschwister lebten und arbeite ein paar Jahre als selbständiger Klavierstimmer. 1985 bekam er eine Stelle als Telefonist in den Neinstedter Anstalten. „Dort bin ich bis heute geblieben. Seit 30 Jahren kennt man hier meine Stimme“, sagt er. Dass ein blinder Telefonist auch Buchautor sein kann, wird viele seiner Kollegen überraschen. Beim Jahresfest der Evangelischen Stiftung Neinstedt wird er erstmals zu einer Lesung einladen. Für Thomas Löffler, dem bei der Lesung eine Assistentin zur Seite steht, ist das ein großer Schritt. „Ich bin jetzt schon aufgeregt. Ich habe lange gebraucht, den Mut zu finden. Aber ich will mich nicht länger verstecken“, sagt er. Seine Bücher, das wünscht er sich, sollen nicht länger nur in den Regalen des Verlags liegen, sondern endlich auf den Nachttischen seiner Leser. Dana Toschner

7.8.16 20:47

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